Schwedischkurs

31.05.2010


Die Schweden halten sich gern kurz und knapp und bringen etwas schnörkellos auf den Punkt.
Das entspricht mir :-)
Sambo (sambu ausgesprochen) etwa.
Was nach heissem Sound und wilden Rhythmen aussieht, ist in Wirklichkeit eine nüchterne Angelegenheit. Der zusammengesetzte Begriff aus sam von samman (zusammen) und bo (wohnen) bedeutet, dass zwei Menschen ohne Trauschein zusammen leben.
"Ich lebe mit meinem Sambo" ist ein oft gehörter Satz hier.
Mambo. In Südamerika ein Tanz, in Schwedens Hauptstadt Stockholm hingegen hat es mit der aktuellen Wohnungsknappheit zu tun. Viele junge schwedische Erwachsene machen es den italienischen Ragazzi nach und mutieren zu Nesthockern. Mam-bo bedeutet also schlicht und ergreifend 'bei Mamma wohnen'...
Gift.  Bedeutet wie im Deutschen Gift. Und hat noch die Bedeutung eines Zivilstands...
Ich bin verheiratet: Jag är gift!
Und manchmal kann ´Giftsein´ wirklich Gift sein...

Stockholm


Stockholm ist Umweltstadt 2010.
Und es stimmt:
Soviel Gruenflächen, Pärke und Gartenanlagen.
Soviel Blau auch.
Und selbst den Abfall trennt man hier noch genauer als bei uns ;-)
Da kann ich nur sagen: GRATTIS STOCKHOLM!



Zeit der Stille

27.05.2010



Ein strahlendschöner Sommertag, der Himmel von einem intensiven Blau.
Der ´Riddarfjärden´ glitzert.
Stockholm zeigt sich in seiner ganzen Pracht.
Ich steige die vielen steilen Stufen zum Stadtteil Södermalm hoch.
Bei der Katarinakirche, einer Barockkirche, hat es einen grossen, parkähnlichen Friedhof.
Die Leute sitzen oder liegen entspannt auf dem Rasen - und das auch schon mal im Bikini:
´Ut i naturen´ -  das schwedische Lebensgefuehl stimmt auch hier...
Ich suche das Grab der schwedischen Aussenministerin Anna Lindh, die 2003 ermordet worden ist.
Beim langsamen Gehen vorbei an den Gräbern bleibt mein Blick auf einem Grabstein:


"Himlens hav har ingen strand
bara ljus"  

("Des Himmels Meer hat keinen Strand nur Licht")


Irgendwie ergibt der Spruch keinen Sinn fuer mich.
Es ist ein Familiengrab: Vater, Mutter, drei Kinder.
Nur: Alle leben noch.
Dann schaue ich genauer hin. Ein Kind, ein kleiner Bub, ist gestorben.
Trotz des warmen Wetters fröstelt es mich plötzlich.
Das Todesdatum ist naemlich der 26.Dezember 2004.
Und ganz unten steht der Ort seines Sterbens:
Khao Lak.

´Att lätta på trycket utomhus...



... kann dich teuer zu stehen kommen", lese ich in den ´Dagens Nyheter´.
Was in einem längeren Artikel abgehandelt wird, fasse ich jetzt kurz und knapp zusammen:
Dem Blasendruck  d r a u s s e n  nachzugeben und an Hauswände und Bäume zu pinkeln, wird gebuesst.
Und kostet , wenn mann erwischt wird, happige 800 Kronen (ca. 130 Franken).




PS. Diese Busse wuerde ich gern bei uns in der Stadt einfuehren.
PPS. Und das mit sofortiger Wirkung!

Auf den Spuren von Lisbeth und Mikael...



Die temperamentvolle Reisefuehrerin 

Auf dem wohl lauschigsten Platz der Stadt, dem 'Mosebacketorg', sehe ich eine Reisegruppe. Sie hört gespannt ihrer Reisefuehrerin zu, die auf einer Bank steht und temperamentvoll und wild mit den Händen gestikulierend etwas erzählt.
Ich meine die Namen ´Millennium-Office´ und Mikael Blomkvist zu vernehmen.
Das nimmt mich Wunder.
Und so geselle ich mich dazu.
Es ist eine Fuehrung an die Handlungsorte der ´Millenniums-Trilogie´, die im Stadtteil Södermalm spielt.
Soeben habe ich nämlich den ersten Band (in der schwedischen Originalfassung heisst der Titel direkt und auf den Punkt gebracht ´Männer, die Frauen hassen´) von Stieg Larsson fertig gelesen. Immerhin knapp 700 Seiten...
Nun gehen wir hinter der schwarz gekleideten Reisefuehrerin her zum letzten Ort.
Er ist das Highlight der Fuehrung.
Vor einem grossen, gelben Haus an der ´fiskargatan 9´ mit einer Traumaussicht auf die Ausläufer der Ostsee bleiben wir stehen. Im obersten Stock kaufte sich Lisbeth Salander, die Ermittlerin und Hackerin, ihre 21-Zimmer-Wohnung mit Balkon.
Und der Besitzer vor ihr, so erklärt uns die Reisefuehrerin, war kein geringerer als Percy Barnevik, der ehemalige Chef der ABB...

Fiskargatan 9

Lagom...

20.05.2010


...ist ein Begriff, der so wohl nur in Schweden existiert.
Wir haben beim ´middag´-Essen (was in Schweden das Abendessen ist...) in einem fröhlichen Mix aus Schwedisch und Englisch diskutiert.
"Wir brauchen ´lagom´ oft, es ist typisch fuer uns Schweden", sagt Elisabeth.
Eigentlich kann man lagom (ausgesprochen lagom) nicht direkt uebersetzen. Das Wort bezeichnet jenes Mittelmass, das man hier in Schweden so schätzt und mag.
"Ah, das Wetter ist nicht zu heiss. Aber auch nicht zu kalt."
"Der Kaffee ist nicht zu stark. Aber auch nicht zu wässrig."
"Gull-Britt, die Schwedischlehrerin, ist nicht zu fordernd. Aber auch nicht zu larsch."
Lagom eben.

Irgendwie habe ich es kapiert.
Fuer mich hat der Begriff die Bedeutung von ´in der Mitte pendeln´ oder auch ´auf Ausgleich bedacht sein´.
Und das gefällt mir.
Als ich jedoch ein zweites Mal von Toms leckerem ´Coq au vin´ schöpfe, den er zwei Stunden hat köcheln lassen auf dem Herd, kann ich lagom beim besten Willen nicht gebrauchen.
Denn Toms Hähnchen ist...

....JÄTTEGOTT !!!!




PS. ´Jätte´ gehört ebenfalls zu meinen schwedischen Lieblingswörtern und bedeutet ´riesig, sehr, wahnsinnig´!
PPS. Jättegott heisst also nichts Anderes als wahnsinnig gut ;)


Staatsgeheimnis

Er hat keine Homepage, keine öffentliche Telefonnummer,
und er wohnt in einem anonymen Mehrfamilienhaus im Stadtteil Södermalm,
Södermalm hat sich  in den letzten Jahren mehr und mehr von einem traditionellen Arbeiterstadtteil hin zu einem Stadtteil der Kuenstler und Intellektuellen verändert.
Der Mann heisst PÄR ENGSHEDEN.
Im Moment wird er von einem gewissen Teil der Presse belagert und mit einer einzigen Frage konfrontiert.
Und auf die antwortet er diskret und ausweichend:
"Darauf kann ich nicht antworten".
"Das sind nur Spekulationen."
"Das ist nun aber sehr stressig!".
Pär Engsheden ist nicht Politiker (hätte ja sein können...).
Er ist, und soviel royaler Klatsch muss jetzt einfach sein, Kronprinzessin Victorias
Lieblingsdesigner.

PS. Und die Frage der Presseleute lautete selbstverständlich:
"Är det  d u som designar brudklänningen?"



PS. "Sind S i e es, der das Brautkleid designt?"

DAGENS NYHETER...


...heisst die Zeitung, die mir Elisabeth als Abonnement fuer die Dauer meines Aufenthalts hier geschenkt hat.
Jeden Morgen (oder besser mitten in der Nacht, so es denn Nacht wuerde...) werde ich um 3.00 durch ein Klappern und Scheppern geweckt.
Es ist die Zeitungsverträgerin, die die Zeitung durch den Postschlitz in meiner Eingangstuere wirft.
Die Zeitung plumpst dann direkt in den kleinen Gang.
Und ich könnte sie beinahe vom Bett aus aufheben ;-)
So kann ich also jeden Tag beim Fruehstueck die ´Tagesneuheiten´ lesen.
Heute zum Beispiel finde ich diese kleine, nette Nachricht:
Felix, 16 und Max, 18 sind ganz sicher, dass sie am Samstag, 19.Juni, Dienst haben.
Es sind nämlich zwei der Pferde, die an mehreren 100´000 Menschen vorbei die Hochzeitskutsche mit der Kronprinzessin und dem frisch geadelten Prinzen Daniel ziehen werden.

Dass Elche...

17.05.2010


... verwandt sind mit den Kuehen, wusste ich bis jetzt nicht.
Aber genauso steht es angeschrieben beim Elchgehege im Tierpark ´Skansen´.
Es ist ein richtig schwedischer Sommertag.
Der Himmel wolkenlos und von einem strahlenden Blau.
Das Licht so sanft und weich, wie es wohl nur im Norden möglich ist.
Alle Stockholmer sind unterwegs in die Natur.
Ich mitten drin in den Massen von Menschen...
Und dann stehe ich vor dem Elchgehege und schaue auf die beiden 1-Tag alten Elchkälbchen.
Sie liegen dicht bei der Mutter und gucken bereits ganz munter in die Welt.
Jööö! Elche sind meine absoluten Lieblinge.
Und so knipse ich wild drauflos.
Leider kann ich hier keines der Bilder aufschalten.
Aber das schwedisch plappernde und stotternde Bambi ist eine wuerdige Vertretung und entzueckt genauso. Auch wenn es bei Felix Salten ein Hirschlein ist.
Und bei Disney ein Rehlein...


 



Auf seine Seele warten...


Patricia Tudor-Sandahl, die englisch-schwedische Psychologin, Psychotherapeutin und Schriftstellerin ist mir ein Begriff, da ich einige ihrer Buecher in unserer Stadtbibliothek ausgeliehen habe.
Ich mag ihre bescheidene Art und ihre Sicht auf das Leben in seiner ganzen Vielfalt, mit allen Schwierigkeiten und Schönheiten.
Als ich am Freitag, immer noch leicht verwirrt vom ´Natelmalör´, heimatlos durch die ´Drottninggatan´ stolpere, entdecke ich eine Buchhandlung.
Beim Stöbern in den Regalen fallen mir Tudor-Sandahls Buecher in die Hände.
Zufälle gibt es ja bekanntlich nicht...
Und so verlasse ich den Laden mit dem Taschenbuch ´Eftertankar´ (Ueberlegungen), das mich nun begleitet im schwedischen Alltag.
Und mir hilft, auf meine Seele - dieses langsame, zeitbrauchende ´Organ´zu warten...







Aus ´Eftertankar´ (Ueberlegungen)
von Patricia Tudor-Sandahl:

uebersetzt von Hausfrau Hanna

"Ich hatte versprochen, einen Artikel zu schreiben.
Wie gewöhnlich eilte es. Der Abgabetermin kam immer näher, ohne dass mir etwas einfiel.
Doch ich hatte keine Wahl. Ich war gezwungen zu schreiben.
Es gelang mir, zwei Tage nacheinander frei zu nehmen, und so fuhr ich aufs Land.
Nun konnte es schnell vorangehen!
Der erste Tag verging vor allem mit Schlafen. Und da bemerkte ich, wie muede ich eigentlich war.
Am Abend vor dem Computer war der Kopf einfach nur leer.
Ich tat das einzig Richtige und ging ins Bett.
Morgen wuerde es besser werden!
Aber es wurde nicht besser, und nach einem krampfhaften Versuch zu schreiben, gab ich auf und ging hinaus und rechte das Laub zusammen.
Genau in dem Moment lösten sich die Gedanken auf.
Am Nachmittag schrieb ich mehrere Stunden.
So kann es gehen, wenn man aufhört sich anzustrengen - loslässt und auf seine Seele wartet."

Schrecken....

14.05.2010

Heute Morgen schrieb ich eine SMS an Katino, meinen Freund, der an einer grossen kirchlichen Veranstaltung irgendwo in Deutschland ist.
Ich checke noch mein Guthaben auf dem Natel.
Dann leuchtet plötzlich eine Kaffeewerbung auf. Und dann herrscht Stille und Dunkelheit auf meinem kleinen Natelbildschirm. Das Natel funktioniert nicht mehr.
Und ich ein absoluter Technikdödel. Die Familie, die mir schon so manches Mal unterstuetzend zur Seite gestanden ist, ist fort in Skånen. Und das bis am Sonntagabend...
Ich fuehle mich sehr verloren und wie abgeschnitten von der Welt.
Dann sage ich jedoch zu mir:
"Hausfrau Hanna, das schaffst du doch! Jetzt ueberleg mal logisch! Wo kann man dir am besten helfen?"
Dann sitze ich auch schon in ´der tunnelban´ nach Stockholm.
Beim Kramen im Rucksack merke ich, dass ich das Natel in der Wohnung vergessen habe.
Also nehme ich die nächste ´ban´zurueck...
In der Nähe des Hauptbahnhofs finde ich dann einen ´phoneshop´. Ein netter junger Mann klopft ein Diskettchen aus meinem Natel, erklärt mir etwas (was ich nicht verstehe) und steckt dann das Diskettchen wieder hinein.
Und oh Wunder, das Natel funktioniert wieder.
Dankbar stammle ich ein: "Tack så mycket! You saved my life!"
Als ich ein paar Minuten später eine Altstadtgasse hinunterschlendere, ertönen die Glocken der Deutschen Kirche.
Und sie spielen tatsächlich: "Grosser Gott, wir loben dich"...

PS. Ich habe von Herzen mit eingestimmt... :)

Wo ist die Schweiz?


Gull-Britt verteilt uns ein A4-Blatt mit einer langen Liste an Ländern und den Sprachen, die man dort spricht.
Sie soll fuer uns eine Hilfe sein bei der Vorstellungsrunde. Auf Schwedisch natuerlich.
"Jag heter Ling fan. Jag kommer från Kina och talar kinesisk."
"Jag heter Valeria. Jag kommer från Italien och talar italienska."
So geht das immer schön der Reihe nach.
Dann bin ich dran.
Mein Zeigefinger rutscht nach unten auf der Liste.
Irgendwo zwischen Ryssland und Slowenien muesste sich eigentlich die Schweiz befinden.
Aber da ist sie nicht.
"Gull-Britt", sage ich, "Schweiz existerar inte!" "Gull-Britt, die Schweiz existiert nicht!"
"Jaså!", sagt Gull-Britt, "men du existerar!" "Aha! Aber d u existierst"!

Gull-Britt


Eine Woche war sie krank.
Ihre Vertretung war eine junge, sportliche Lehrerin, die täglich 6 km joggt, um fit zu sein fuer den Stockholmer Marathon.
Nun ist sie da: GULL-BRITT!
Sie betritt das Klassenzimmer. Und fährt ein wie ein schwedischer Vulkan. Laut, energisch, temperamentvoll und gesegnet mit einer solchen Portion Humor, dass ich immer wieder gluckse vor Lachen und am Ende der ersten Unterrichtseinheit muede bin wie ein alter Strassenköter...
Gull-Britt erklärt uns - und das nicht zu langsam - die praktischen Dinge im schwedischen Alltag:
Im Coop/Konsum (jawoll!) ist das Mineralwasser am billigsten. Hahnenwasser hingegen ist gratis.
Die ´smörgåser´(Butterbrote) fuer den Lunch belegt man am besten selbst mit Aktionsangeboten "ta tre, betala två" ("nimm drei, bezahle zwei!").
Gull-Britt ist Royalistin. Und im Uebrigen gleich alt wie der König. Nächstes Jahr wird sie pensioniert und will dann reisen.
"Gull-Britt", frage ich sie gegen Ende der Stunde, "vad betyder 'gull '?"
Ich glaube, einen stolzen Unterton in ihrer Stimme herauszuhören, als sie erklärt:
"Gull bedeutet 'goldig', 'suess', 'lieb'."

Lunch oder middag

07.05.2010

Etwas, was mich anfangs sehr irritierte, waren die Essenszeiten´lunch´und ´middag´.
Hier nimmt man am Mittag einen ´lunch´ein. Das Abendessen heisst dann ganz logisch ´middag´.
Wird man von einer schwedischen Familie zum ´middag´ eingeladen und nimmt man das wortwörtlich, steht man vermutlich am Mittag vor verschlossener Tuere...
Zweimal in dieser Woche koche ich zu ´middag´. In einer schwedischen Kueche mit einem Induktionsherd, den ich mir von der 9-jährigen Lotte erklären lassen muss. Die nächste Unsicherheit besteht beim  Kuehlschrank. Ich kann ihn nicht öffnen. Und wieder zeigt und erklärt mir Lotte, wie ein schwedisches Modell sich öffnen lässt. Sie tut das geduldig und freundlich, wie es den Schweden wahrscheinlich in die Wiege gelegt worden ist ("ta det lugn" - "nimm es ruhig!").
Zum ersten Mal sehe ich eine ´falukorv´. Und da diese Wurst unserer Lyonerwurst ähnlich sieht, schneide ich sie auf und drapiere die Scheiben auf einen Teller.
Die in kleine Stuecke geschnippselten Kartoffeln brate ich an.
Alles falsch.
Die Wurst hätte ich anbraten sollen und die Kartoffeln im Wasser weichkochen.
Lotte erklärt es mir wieder.
Und dann sitzen wir zu dritt am Tisch:
´Storasyster´ Lotte, ´lillasyster´ Siri und ich. Die Pommes schmecken. Die Wurst ebenfalls.
Und den riesengrossen Klecks Ketschöpp behalten wir als kleines Geheimnis fuer uns...

Schwedischlektion


Die Schweden haben in ihrer praktischen und effektiven Art allerhand Begriffe aus Frankreich, Deutschland oder England uebernommen´ und dann ihrer Sprache angepasst..
Da gibt es hier am grossen Platz schon einmal einen ´frisörsalong.
Ich benuetze die ´toalett´oder das ´trottoar´.
Am Abend geht man ins ´restaurang´und sitzt bequem im ´fåtölj´.
Und bevor ich jetzt ´adiö´sage, kommt mein liebster Begriff:
Der ´besserwisser´.

PS. Warum der wohl aus dem Deutschen uebernommen und eingeschwedet wurde...? ;-)

Angekommen!

06.05.2010


Hej!

Nun bin ich also hier in Schweden.
Ich lebe und wohne in einer kleinen Wohnung im Vorort Bagarmossen suedöstlich von Stockholm und versuche, die vielen neuen Eindruecke zu bewältigen, die täglich auf mich einprasseln.
Ich habe die letzten Tage viele Umwege und Irrläufe gemacht.
Alles zu Fuss.
Den alten, rostigen Drahtesel, den Elisabeth mir grosszuegig zur Verfuegung gestellt hat, lasse ich vorsichtshalber noch angekettet vor der Haustuere stehen...
Wenn ich ins Zentrum will, geht das bequem und schnell mit der ´tunnelban´. Und in knapp 20 Minuten befinde ich mich in Stockholms schöner Altstadt (Gamla stan).
Heute habe ich mich in der kleinen, huebschen Bibliothek hier fuer eine Stunde Internet angemeldet.
Nun, die Hälfte der Zeit ging verloren mit Suchen und Hineinfinden in meine ´Bloggstuga´.
"Ta det lugnt", sagen die Schweden. "Reg dich nicht auf!"
Ich werde das noch oft zu mir sagen muessen... ;-)



Ha en trevlig dag - hjärtliga hälsningar till er alla,
Hausfrau Hanna

"Die grösste Sehenswürdigkeit...


... die es gibt,
ist die Welt - sieh sie dir an!"

Kurt Tucholsky


Lieber Kurt Tucholsky,
schön hast du das gesagt!
Und so versuche ich, mich die nächsten zwei Monate in deinen Ausspruch (wie in eine Motivationsschubkarre) fallen zu lassen. Hier in Schweden, wo ich im Mai und Juni leben werde.
Ich habe Einiges vor und möchte:

'öl' probieren, das nicht etwa in den Automotor gehört, sondern Bier ist...

'köttbullar' essen, die nicht aus der IKEA sind...

'fika', was zwar unanständig tönt, aber nur das bezeichnet, was die Schweden gern und häufig über den ganzen Tag verteilt tun ;-)



mich nicht von den schnellsprechenden Stockholmern beirren lassen, sondern genauso munter und fehlerhaft drauflos plappern, wie ich es hier im Sprachunterricht tat...

an Kronprinzessin Victorias Hochzeit am 19. Juni mit einem Fähnchen am Strassenrand stehen...

Und vor allem möchte ich Schloss Gripsholm besuchen, das in deiner charmanten, heitermelancholischen Sommergeschichte im Zentrum steht und die zu lesen mich eingestimmt hat in das Land, in dem du ebenfalls gelebt hast.

Hälsningar
Hausfrau Hanna