Bis zum Mond und wieder zurück...

31.01.2014



Früher ritzte man ein Herz in die Rinde eines Baumstammes.
Heute kettet man sein junges Glück mit einem Liebesschloss an ein Gitter auf einer Brücke:



"Bis zum Mond und wieder zurück..." - so lange währt das Glück:


Die Liebesschlösser befinden sich übrigens am Gitter der kleinen Kapelle, die sich genau in der Mitte der Mittleren Brücke befindet, dem Käppelijoch - im Mittelalter der Schauplatz von Strafen.
Heute von ewiger Liebe...






Von einem Bölleli, Bällchen, Kügelchen oder einer 'bulle' im Ohr...

30.01.2014

Beim Stöbern fiel mir ein Heft in die Hände mit schwedischen Beiträgen und Geschichten.
Die Kurzgeschichte über zwei Elefanten schrieb die 10-jährige Lotte für mich. Sie war sich nicht ganz sicher, ob mein Schwedisch ausreichte, um die Pointe zu verstehen.
Deshalb schloss sie vorsichtig: Ich hoffe, du hast es verstanden...

In der schwedischen Sprache schreibt man übrigens die direkte Rede ohne Gänsefüsschen. Man setzt einfach einen Bindestrich vor die Rede. Praktisch. Aber gewöhnungsbedürftig.

Hier nun Lottes Beitrag:



Det var en gång två elefanter som var ute och flög.
-Du har en bulle i örat, sa den ena elefanten.
-Va? sa den andra.
-Du har en bulle i örat!
-Va?!
-Du har en bulle i örat!!!
-Jag hör inte vad du säger, för jag har en bulle i örat!!!

Hoppas du förstod...
kram Lotte





PS. Es waren einmal zwei Elefanten, die draussen umherflogen.
"Du hast etwas im Ohr", sagte der eine Elefant.
"Was?" sagte der andere.
"Du hast etwas im Ohr!"
"Was?!"
"Du hast etwas im Ohr!!!"
"Ich höre nicht, was du sagst, denn ich habe etwas im Ohr!!!"

















Mittwochstanz

29.01.2014



Im Tanz
erlebe ich die Heiterkeit,
die mein Leben beflügelt.


Lilly Puwein, freischaffende Tanzpädagogin




PS. Das konnte ich auch einmal... aber meine grosse Schwester war besser :)

Kindlicher Heisshunger

27.01.2014


Es gab Elternhäuser, da wuchsen die Kinder ganz selbstverständlich mit Büchern auf.
Büchergestell an Büchergestell reihte sich den Wänden entlang. Klassiker und hohe Literatur.
Die Eltern befassten sich mit Literatur. Die Grosseltern wohl auch schon.
Nicht so in meinem Elternhaus. Da war das Büchergestell spärlich bestückt. Denn Bücher waren teuer.
Vielleicht lag es an diesem Mangel, dass ich jede sich bietende Gelegenheit nützte und mich auf Bücher stürzte und sie frass.
Glücklicherweise gab es damals schon eine Schulbibliothek. Ich wäre sonst verhungert.
Für 5 Rappen konnte man ein Buch in der Woche ausleihen. Mehr gab es nicht. Bitten und die Augen flehend verdrehen nützten nichts. Lehrer Hartmann hielt sich strikt an seine Ausleihregeln und schrieb mit kleiner, gestochen scharfer Schrift den Titel in ein Heft ein.
Da ich nicht imstande war, das Buch in tägliche Portionen aufzuteilen, sondern alles aufs Mal las, musste ich dann lange sechs Tage warten, bis ich ein neues heim nehmen durfte.
Sparsamkeit war schon damals nicht meine Stärke...


Kater Filou weiss, wo es am schönsten ist...:)

Hausfrau Hanna auf Schatzsuche

26.01.2014


Vor Weihnachten bekam ich Post aus Schweden.
Im Kuvert befanden sich neben der persönlichen Karte eine bunte Medaille und vier Blätter mit einem Plan und Informationen, die ich interessiert las.
Die Post war von Keri (s.Blogroll), einer erfahrenen und gestandenen Geocacherin.
Geocaching?
Der Begriff war mir nicht bekannt.
Nun versuchte ich, das Rätsel in der Praxis aufzudröseln. Was bedeutete, ich wurde selbst zur Geocacherin!
Keri schrieb nämlich, dass die beigelegte Medaille oder Geocoin in ein Versteck gebracht werden musste. Und dieses Versteck wiederum konnte ich dem Plan entnehmen.
Da eine Schatzsuche allein keinen Spass machte, begleitete mich Ursula.
Mit dem Plan in der Hand und zielstrebigen Schrittes gingen wir in den Park, in dem wir den Schatz versteckt wussten.

Hätte ja sein können - aber nein, soooo einfach war es doch nicht:



"Heiss, ganz heiss!" Verborgen im Dickicht der Nadelholzgruppe fanden wir den Schatz:


Eine kleine Kugel, auf der ein Nikolaus oder 'Santiglaus' (wie in der Information stand) gemalt war, war an einem Ast befestigt. Darin befanden sich bereits kleine Objekte von andern Geocachern. Ein Glückssäuli etwa.
Ich legte Keris Geocoin dazu und trug Datum und Name auf der beigelegten Liste ein:


Das Wetter war trüb und feuchtkalt und ausser uns hatte es praktisch keine weiteren Leute im Park.
Unsere Schatzsuche blieb deshalb unbeachtet.
Nur dieser da beobachtete uns. Und der verriet uns nicht:




PS. Und wer sich ebenfalls aufmachen will zur Schatzsuche, kommt hier zu mehr Informationen!
PPS. Oder Keri gibt Auskunft!

Zwischen zwei Haltestellen (56)

24.01.2014

Gestern Mittag im Tram.
Hinter mir ertönt glockenhell und rein eine kindliche Stimme, singt ein Lied in einer Sprache, die ich nicht verstehe.
Dann höre ich ein zischendes  'psst!', das sich mehrere Male wiederholt.
Ich nehme an, dass es die Mutter ist, die das Kind zum Schweigen bringen will.
Aber das Kind singt unbeeindruckt weiter.
Und beginnt dann ein neues Lied, das ich kenne. Es ist das Lied von Pippi Langstrumpf, in der sie 'Widewidewitt macht, was ihr gefällt.'
Am Aeschenplatz steigt die Mutter mit der kleinen, etwa vierjährigen Sängerin ebenfalls aus.
Ich vernehme, dass sie aus Barcelona kommen. Irgendwie schaffe ich es, der Mutter zu sagen, wie schön die Kleine singt und wie sehr mir das Lied von Pippi Langstrumpf gefallen hat.
Die Mutter freut sich.
Ich winke ihnen zum Abschied zu: "Tschüss, Pippi Langstrumpf!"
Die Kleine winkt zurück: "Adiòs!"

PS. Pippi Langstrumpf heisst übrigens auf Spanisch Pippi Calzaslargas. Und so hat es im Tram getönt:


Very cool...

22.01.2014



Heute startete ich mit dieser Mail ins Tagesgeschehen:


Liebe Hausfrau Hanna 
Bevor ich in einen unbeschreiblich weiblichen Tag durchstarte, hier noch ein kleiner Hinweis für Unseresgleichen:




PS. Merci, chère Madame Smilla, für diesen Eitrenntipp zum Mittwoch, der der vielbeschäftigten Hausfrau hilft, kostbare 30 Sekunden Zeit zu sparen. Eine Ewigkeit in der heutigen, schnelllebigen Zeit ;)

Rostendes Verbot

21.01.2014


Ein Überholverbot auf einem Strässchen abseits eines Dorfes, wo sich Fuchs und Hase begegnen und gute Nacht sagen. Hier fährt selten jemand durch. Am ehesten noch ein Bauer auf seinem Traktor.
Wie jemand deshalb auf den Gedanken kommen konnte, an dieser Stelle eine Verbotstafel aufzustellen, ist mir ein Rätsel.

Und bleibt wohl ein Rätsel...



Gelb in Weiss...

20.01.2014

Nicht nur Hunde biseln in den Schnee...
Buben tun es auch.
Frau Quer hat ihrem heutigen Kommentar ein Gedicht beigefügt, über das ich mich köstlich amüsiert habe.
Und dass der Verfasser, Rainer Brambach, ein Bebbi war, weiss ich dank Google jetzt auch.
Wenn nun statt des Regens noch Schnee vom Himmel fiele, könnten die Buben endlich mit Schwung ihre Initialen setzen:

"Mein vierundsechzigster Winter,
wie oft fiel seither Schnee!
Wir pissten als Buben, Kurt, Paul und ich
unsere Initialen gelb in das Weiss -
ich schwungvoll R B"

Rainer Brambach in "Auch im April" Diogenes Verlag

In den Schnee schreiben!

19.01.2014


Heute vor drei Jahren hat es geschneit.
Warum ich das weiss?
Ich habe soeben den in der Statistik erschienenen Blogbeitrag gelesen:
Hier!

Lückenbüsser!

18.01.2014

Am Sonntag gab mein sechs Jahre alter Laptop definitiv auf. Quasi über Nacht quittierte er den Dienst. Sein Bildschirm blieb dunkel. Irgendwo im Innern klickte es, sonst geschah nichts.
Ich war an ihn gewohnt, kannte die Tastatur in- und auswendig und wusste, wo ich was fand.
Der Computerfachmann schaute sich das Ding an und meinte, da sei nichts mehr zu reparieren.
Ein neuer musste bestellt werden.
Und das dauert nun.
Deshalb schreibe ich in dieser Woche auf einem 'Lückenbüsser' und tue mich schwer damit, obwohl (oder gerade weil) die Tastatur ganz schnell anspringt. Schwerfälliger als üblich ist auch das Formulieren.
Obwohl Herr theomix gestern in einem Kommentar meinte, dass einer der Sätze für eine Nominierung zum Literaturnobelpreis reichen würde...
Mitte nächster Woche sollte der neue Laptop startklar sein.

Und ich werde jetzt diesen Beitrag beenden und noch etwas Lesefutter fürs Wochenende (und darüber hinaus) hinterlassen:
Im Stall bei Madame Smilla ist das erste Kälbchen geboren: Hier zu lesen.
Frau Flohnmobil ist unterwegs auf der Skipiste: Hier zu sehen ;)
Bei Frau Quer steht der Text eines alten, schönen Schlagers: Hier zu lesen.
Und hier zu hören:


PS. Hausfrau Hanna verteilt vom Laptop aus in alle Himmelsrichtungen herzliche Grüsse und wünscht ein Wochenende, an dem das Zueinanderstehen an erster Stelle steht... :)


Hausfrau Hannas Wintereinladung

17.01.2014


Gestern  Abend gab es Suppe, die ich wie immer Handgelenk mal π zubereitete.
Das Rüsten überliess ich zuvor dankbar Hausmann Hanna, da er feinmotorisch etwas geschickter hantiert.
Suppe ist ein denkbar einfaches Gericht, in das je nach Saison ein anderes Gemüse kommt.
Im Winter zum Beispiel Kartoffeln, Kohl, Sellerie, Lauch, Karotten.
Eine Prise Curry für den besonderen Geschmack muss immer hinein, sowie eine gute Gemüsebouillon, in der alles vor sich hin köcheln kann.
Ich vermantsche die weiche Masse stets mit einem Stampfer, da der Mixer zu fein püriert und mich das zu sehr an Babybrei erinnert...
Den Schuss Vollrahm am Schluss nicht vergessen.
Dazu werden Wienerli, knuspriges Paillassebrot und ein gutes Glas Wein gereicht.
Und was sagte der gestrige Gast dazu?
"Etwas Besseres gibt es nicht! Denn ich bin nicht nur satt, ich bin auch zufrieden."

***

Etwas gehobener als bei 'Hausfrau Hanna' geht es am Tisch bei Irene Dische zu:

 (...)           "Der Tisch war für drei gedeckt, mit Serviettenring und Messerbänkchen für das Silberbesteck.
Kurz vor eins setzten wir uns. Renate sprach das Tischgebet. Wir verharrten in gespanntem Schweigen.
Die Uhr tickte. Wenn dann der grosse Zeiger auf die Zwölf glitt, versank das Ticken im Geräusch von Schritten.
Die Köchin schob den Servierwagen herein.
Der Höhepunkt des Tages begann mit Suppe - dickem, dampfendem Fleisch- und Kartoffeleintopf im Winter, köstliche Brühen im Frühling und Herbst, kalte Suppen im Sommer…
Ich will hier nicht in die Einzelheiten gehen, denn bis heute weckt die Erinnerung daran in mir die Sehnsucht, mich noch einmal an diesen Tisch zu setzen."
                                           
Irene Dische aus: 'Grossmama packt aus' (2005)

Zwischen zwei Haltestellen (55)

14.01.2014

Am Samstag im Tram.
Direkt hinter mir unterhalten sich sehr laut und sehr schnell zwei Männer auf Italienisch.
Mediterranes Temperament!
Da es mich Wunder nimmt, wer die beiden ungenierten Gesprächspartner sind, stehe ich viel zu früh auf vor meiner Haltestelle.
Wahrscheinlich mustere ich die zwei älteren Signori einen Tick zu lang. Der eine schaut mich nämlich mit seinen verschmitzten Augen wie ein Fragezeichen an.
Mir entsprudelt etwas unüberlegt: "Voglio tanto bene gli italiani!"*
Und was antwortet der Mann?
"Non siamo italiani, signora, siamo ticinesi!"**

Hoppla!

PS.Italienisch ist Italienisch. Dass man auch im Tessin Italienisch spricht, ist mir nicht in den Sinn gekommen... ;)



Ich mag die Italiener.*   Wir sind keine Italiener, wir sind Tessiner!**

Dasselbe Strickmuster

11.01.2014

Den Hundertjährigen, den der schwedische Bestsellerautor Jonas Jonasson fit und fröhlich aus dem Fenster eines Altersheims steigen und abhauen liess,  lasen wir vor einiger Zeit im Schwedischkurs. 
Ich gebe es zu: Ich war sehr erleichtert, dass ich parallel dazu die deutsche Übersetzung zur Hand hatte. 
Ich weiss nämlich nicht, wieviel ich sonst verstanden hätte von der chaotischen Geschichte.
Übrigens ist soeben das zweite Buch von Jonas Jonasson erschienen mit dem eigenwilligen Titel: "Die Analphabetin, die rechnen konnte." 
Ich habe das in der Bibliothek entliehene Buch soeben zu Ende gelesen.
Es hat wieder Sprachwitz. Und es ist wieder im selben Strickmuster geschrieben.

Das ist weiter nicht schlimm - ich stricke die Wollsocken schliesslich auch immer im gleichen Muster. 
Weil mich nämlich jede Abweichung zu sehr verunsichern und aus dem Takt bringen würde…


Lied an die Freiheit

10.01.2014


Auf der CD 'Det allra bästa' der schwedischen Sängerin Sofia Karlsson ist ein Lied, das die Freiheit umschreibt. Wenn ich es höre, singe ich immer laut mit.
Geschrieben hat der 'Sång till friheten' der 1999 verstorbene Björn Afzelius.
Leider gibt es kein youtube-Video, auf dem Sofia Karlsson singt.
Aber die beiden 'svenska tjejer' Isabelle und Elin sind ein ebenbürtiger Ersatz und legen einen wunderschönen Auftritt hin:
Zweistimmig.
Mit Gitarre- und Mundharmonikabegleitung.
Schauen! Und mitsingen...


"Du bist das Schönste, das ich kenne
Du bist das Teuerste in der Welt
Du bist wie die Sterne
Wie die Winde
Wie die Wogen
Wie die Vögel
Wie die Blumen auf dem Feld."





Du är det finaste jag vet
Du är det dyraste i världen
Du är som stjärnorna 
Som vindarna 
Som vågorna 
Som fåglarna 
Som blommorna på marken.

Du är min ledstjärna och vän
Du är min tro, mitt hopp, min kärlek. 
Du är mitt blod 
Och mina lungor
Mina ögon 
Mina skuldror 
Mina händer och mitt hjärta. 

Friheten är ditt vackra namn
Vänskapen är din stolta moder 
Rättvisan är din broder
Freden är din syster
Kampen är din fader
Framtiden ditt ansvar. 

Entweder! Oder!

09.01.2014



"Beim Essen ist Musik ein guter Prüfstein;
denn ist das Essen gut, so hört man die Musik nicht."

meinte Christian Dietrich Grabbe, deutscher Dramatiker.






PS. Oder aber die Musik ist gut und mitreissend, und dann wiederum verkommt das Essen zur geschmacklosen Sache, meint Hausfrau Hanna und empfiehlt überzeugt ein 'Entweder - oder'...;)

Storytelling

08.01.2014


Was heute  'storytelling' heisst, hiess damals ganz unspektakulär Geschichten erzählen.

Vater zum Beispiel war ein begnadeter Geschichtenerzähler.
Er besass eine innere Schatzkammer, die gefüllt war mit unendlich vielen Märchen, Sagen,  Fabeln sowie selbst gesponnenen und wahren Geschichten aus dem Aktivdienst. War die Türe zu seiner Kammer offen - und das war sie oft - liess sich das Kind stundenlang mitnehmen und forttragen in die väterlichen Erzählwelten.

Ein weiterer begabter Geschichtenerzähler war der reformierte Dorfpfarrer. Manchmal strömten die Bibelgeschichten aus seinem Mund dahin wie ein ruhiger Fluss zwischen seinen Ufern. Dann wieder schmückte er diese so spannend und farbig aus, dass sie kaum mehr als solche zu erkennen waren. Des Pfarrers nikotingefärbte Finger begleiteten gestenreich die Geschichten von Moses, Joseph und Abraham. Und diese wurden zu Abenteurern, Helden und Supermännern, die Verrücktes und Gefährliches anstellten.

Später übernahm dann der Geschichtslehrer. Von Natur aus war er eigentlich ein zurückhaltender Mann, den wir seines Aussehens wegen liebevoll spöttisch ‚den Alten’ nannten. Von einem Moment auf den andern konnte der Alte jedoch in Fahrt kommen, und dann erzählte er mit Verve detailgetreu und gruselig von historischen Begebenheiten, dass es uns gleichzeitig schauderte und faszinierte...




PS. Und niemandem kam es in den Sinn einzuschlummern oder wegzudösen. Wirklich niemandem.
Damals…



Im Gedenken

07.01.2014


Eines meiner Lieblingsgedichte ist 'Rückzug' von Hilde Domin.
Mit Worten, die schnörkellos und schön das Eingehen in ein grösseres Ganzes beschreiben.
Und einer Jenseitsvorstellung, die mutig ist.




Rückzug

Ich bitte die Worte zu mir zurück
ich locke meine Worte
die hilflosen

Ich versammle die Bilder
die Landschaften kommen zu mir
die Bäume die Menschen

Nichts ist fern
alle versammeln sich
so viel Helle

Ich ein Teil von allem
kehre mit allem
in mich zurück
und  verschliesse mich
und gehe fort
aus der blühenden Helle
dem Grün dem Gold dem Blau
in das Erinnerungslose

Hilde Domin

Fasnachtsauftakt!

06.01.2014

Kaum sind die Töne der stillnächtlichen Weihnachtslieder verklungen, haben sich Hund und Katze wieder erholt von den Krachern und Böllern der Silvesternacht, ertönt in der ganzen Innenstadt schon das nächste Gebrüll:
"Blaggede! Blaggede!! Blaggede!!!"

Die Basler Fasnachtsplakette 2014 stammt von Pascal Kottmann.  
Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

So sieht das Objekt aus, um das es geht: Die Basler Blaggede 2014


PS. Dabei beginnt die Basler Fasnacht - nota bene! - erst am 10.März... ;)



2014 - das wird ein Leben!

04.01.2014

Seit Jahren gehe ich fröhlich, vorsatzlos und deshalb auch stressfrei ins neue Jahr.
Ich kenne mich und weiss, dass ich nicht, nie, niemals auf Schokolade und andere Süssigkeiten verzichten kann. Und will!

Ganz anders Kurt Tucholsky!
In seiner Erzählung 'Neues Leben' nimmt er sich gehörig in die Zange und zählt auf, was im neuen Jahr alles anders werden soll:
Kein Bier. Keine Süssigkeiten. Turnen. Früh aufstehen. Spanisch lernen. Keine Schulden mehr... usw.

Neues Leben

Berlin, den 31.Dezember 1920
Berlin, den 31.Dezember 1921
Berlin, den 31.Dezember 1922
Berlin, den 31.Dezember 1923
Berlin, den 31.Dezember 1924
Berlin, den 31.Dezember 1925
                                             (abends)

Von morgen ab fängt ein neues Leben an.
    Der Doktor Bergmann hat einen ordentlichen Schreck bekommen, als er mich ansah, und ich bekam noch einen viel grösseren. "Was machen Sie denn, lieber Freund?", fragte er leise. "Was... was ist denn, Doktor?", sagte ich. "Haben Sie etwas mit der Leber?", fragte er. "Ihre Augen gefallen mir gar nicht. Kommen Sie mal in den nächsten Tagen zu mir!" Natürlich gehe ich hin. Ich weiss schon, was er mir sagen will, und er hat auch ganz Recht. So geht das nicht mehr weiter.
    Also von morgen ab hört mir das mit dem Bier bei Tisch auf. Wenn mir Mutter wieder Hamann-Schokolade durch Emmy schicken lässt, gebe ich sie den Kindern. Und Edith darf nicht mehr so fett kochen. Gestern habe ich ihr noch gesagt... Nein, gestern hab ich gefragt, ob noch Stopfleber da ist - das ist wahr. Aber das hört mir jetzt auf. (...)




PS. Die ganze Geschichte steht im Bändchen 'Nächstes Jahr wird alles anders - Vorsätzliche Ermutigungen für das neue Jahr'  (2013)
PPS. Oder völlig umsonst auch hier ;)

Musikalischer Raum

03.01.2014


Heute muss es Bach sein. 
Seine Musik öffnet einen Raum unendlichen Trostes und Geborgenheit. 
Und dass die hier in der Stadt lebende Sopranistin Maria Cristina Kiehr singt, macht einfach nur glücklich:


Zwischen zwei Haltestellen (54)

02.01.2014

Gestern erlebe ich zwischen Barfüsserplatz und Marktplatz - also genau zwischen zwei Haltestellen - eine Begegnung, die noch einige Zeit nachwirkt.
Ein Mann steigt ins Tram ein. Auf dem Kopf trägt er eine eindeutig militärische Schirmmütze, die mit einem gelben Nudelband geschmückt ist, was dem Grad eines Majors entspricht (wie mir Hausmann Hanna zuflüstert).
Bevor sich der militärisch aussehende Mann, der jedoch kein echter Major ist, setzt, streckt er dem vor ihm sitzenden Mann höflich seine Hand entgegen:
"Grüezi! Ich kenne Sie vom Sehen. Und da ich Vornamen und Namen sammle, möchte ich wissen, wie Sie heissen."
Leicht erstaunt vernehme ich, dass der Angesprochene umgehend seinen Vornamen sagt, der sich wie 'Rosche' anhört.
Nun hakt der 'Major'  nach und möchte auch noch den Nachnamen wissen.
Und wieder antwortet der Angesprochene ganz selbstverständlich mit "Ackermann."
Der 'Major' freut sich und löchert weiter. Jetzt ist das Geburtsdatum dran.
Auch hier macht der Mann kein Geheimnis daraus und gibt offen Auskunft. Tag. Monat. Jahr.
Ich rechne mit und stelle fest, dass er am 5.Mai einen 'Runden' feiern kann und beinahe entrutscht mir: "Oh, das gibt man Ihnen aber nicht!"
Ich bin plötzlich sehr gut gelaunt. Und als ich in die Runde schaue, sehe ich ebenfalls in lauter fröhliche Gesichter.
Der 'Major' steigt beim Marktplatz bereits wieder aus. Oder um. Vielleicht, weil er in einem nächsten Tram Namen sammeln will. Vorher jedoch schüttelt er seinem Vordermann die Hand und sagt zum Abschied höflich: "Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag und ein gutes Neues Jahr; es hat mich gefreut!"

Mich auch! Mich hat es ebenfalls gefreut. Bis auf ein anderes Mal!





Neujahrsumarmung

01.01.2014



Als Begleiter durchs noch offen vor uns liegende Neue Jahr 2014 wünsche ich allen ganz unspektakulär:

Mut
Humor 
und gute Schuhe! 




PS. Und als Zugabe noch eine Umarmung - stor kram till er alla
Hausfrau Hanna